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Joo Kraus

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  • Am 22. November dieses Jahres wurde der profilierte Jazz-Trompeter Joo Kraus 50 Jahre alt. Grund genug für den in Ulm geborenen Musiker, sein Jubiläum mit gleich zwei Neuveröffentlichungen zu feiern: dem Album „JooJazz“ mit neuen Stücken und „Until Now …“, eine Doppel-CD als Werkschau seiner 30-jährigen Karriere.
    Die begann, als ihn sein Vater im Alter von neun Jahren mit der Trompete in Kontakt brachte, die dieser selbst spielte. Joo war begeistert, er begleitete Songs aus dem Radio und landete erst in der „Ulmer Knabenmusik“, dann mit 15 in der Big Band Ulm. Mit 19 gewann er den ersten Preis im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ und studierte danach zwischen 1985 und 1989 an der Hochschule für Musik in München. 1987 stieg er bei der legendären Jazzrock-Formation Kraan ein, bei der er den Bassisten Hellmut Hattler kennen lernte.
    Mit ihm schloss sich Joo Kraus, als sich Kraan 1990 eine Auszeit gönnte, 1992 zum Hip-Jazz Duo Tab Two zusammen. Sie experimentierten mit neuen elektronischen Sounds und Beats und spielten eine Melange aus Acid Jazz, HipHop, Trip Hop, Latin und Drum and Bass. Damit leisteten sie Pionierarbeit und wurden ein wichtiger Bestandteil der europäischen Acid Jazz- und Drum and Bass-Szene. Auch kommerziell waren sie sehr erfolgreich: In Deutschland bekamen Tab Two fünfmal den German Jazz Award für die höchsten Album-Verkaufszahlen. Das Duo gab Konzerte in Europa, den USA und Asien und nahm acht Alben auf – bis interne Meinungsverschiedenheiten zum Bruch führten und Tab Two sich 1999 auflösten.
    Danach spielte Joo Kraus in etlichen Live- und Studio-Projekten als Sideman oder unter eigenem Namen z. B. zusammen mit Pee Wee Ellis, Peter Fessler, Mezzoforte, Klaus Doldinger, Omar Sosa, Ivan Lins und der SWR Big Band. Viel Beachtung fand sein Projekt „Public Jazz Lounge“ mit der SWR Big Band, der „Public Jazz Society“ folgte, das ebenso aus der Zusammenarbeit mit dem Arrangeur Ralf Schmid entstand. Das Projekt „bossarenova“ mit dem Stuttgarter Rundfunkorchester, Paula Morelenbaum und Ralf Schmid wurde dann fortgesetzt als bossarenova Trio mit der brasilianischen Sängerin, Ralf Schmid und Joo Kraus. Seit 2003 nahm Kraus fünf Solo-Alben auf. Für „Painting Pop“ bekam er 2012 den Echo Jazz Award als bester Trompeter und ließ in demselben Jahr mit Hellmut Hattler Tab Two für eine kurze Reunion wieder aufleben.
    In all seinen Projekten zeigte sich Joo Kraus als Grenzgänger, der neugierig verschiedenste Stile mit dem Jazz paarte, was sich beim neuesten Album „JooJazz“ nicht geändert hat. Mit dem Jazz als Fundament lässt er HipHop, TripHop, Pop, Rock, Soul, Electro und Latin in die 13 neuen Stücke einfließen. Die spielte Joo Kraus mit langjährigen Wegbegleitern ein: Ralf Schmid, p, Veit Hübner, b, voc, und Torsten Krill, dr, perc, beats, mit dem er das Album auch produzierte. Joo Kraus selbst steuerte neben dem Trompeten- und Flügelhornspiel seinen Gesang, den elektrischen Bass und etliches mehr bei.

    Im Interview erklärte Joo Kraus wie die Jubiläumsalben entstanden sind und sprach über die Veränderung seiner Karriere als Musiker.

    Wie sind Sie auf die neue Musik für „JooJazz“ gekommen? Woher kamen die Ideen?

    Das wüsste ich auch gern! Die kommen immer irgendwann irgendwoher, oft nicht zur günstigsten Zeit. Das kann auch mal auf einer öffentlichen Toilette passieren. Und dann versuche ich, die Ideen auf das iPhone zu bannen und schreibe danach das Essenzielle auf Papier.

    Wie sind die Aufnahmen entstanden? Haben Sie im Studio improvisiert, oder war das meiste vornotiert?

    Ralf Schmid, Torsten Krill, Veit Hübner und ich warfen meine kleinen Ideen und Substanzen im Studio in einen Topf und rührten und probierten darin lustig herum, mit viel Witz und ohne Schranken und Absichten im Kopf und jeder mit ganz großen Ohren. Sonst geht das nicht zu viert. Das wenigste war anfangs notiert. Wenn aber sich etwas als gut und wichtig herauskristallisierte, fingen wir an zu schreiben, zu arrangieren, zu programmieren. Aber die Improvisation war im Sinne von ausprobieren und frei herumspielen ein wichtiger Teil der Studiogeschichte.

    „JooJazz“ kommt zeitgleich mit der Retrospektive „Until Now“ heraus. War das geplant?

    Nein, ursprünglich nicht. „JooJazz“ sollte 2017 erscheinen, von einer Retrospektive war erst keine Rede. Aber dann überzeugte mich Dirk Mahlstedt von meinem Label „Künstlerhafen“ zu diesem Kraftakt, beide Alben noch in meinem Jubiläumsjahr 2016 zu veröffentlichen.
    Haben sich „Until Now“ und „JooJazz“ gegenseitig beeinflusst?

    Nein. „JooJazz“ war fertig, bevor „Until Now“ geplant wurde. Allerdings klingen in „JooJazz“ sämtliche Epochen, Einflüsse und Inspirationen von Mitmusikern meiner Laufbahn an, ähnlich einem Destillat aus vielen Zutaten, lange gereift, und trotzdem wild und kraftvoll.

    Welche Kriterien hatten Sie für die Auswahl der Stücke von „Until Now“?

    Es sollten Titel meiner Soloalben darauf sein, aber auch Kooperationen mit wichtigen Wegbegleitern wie Omar Sosa, Mezzoforte oder Klaus Doldinger und außerdem unbekanntes Material wie zwei klasse unveröffentlichte Songs, einer mit Ulf Kleiner und Tommy Baldu, ein anderer mit Pit Baumgartner von DePhazz. Ich wollte, dass ohne Rücksicht auf Stilistik oder Eitelkeiten ein Mix der letzten 30 Jahre entsteht.

    Wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken, was hat sich bei Ihnen als Musiker geändert? Haben Sie heute eine andere Herangehensweise an Live-Auftritte und die Studioarbeit?

    Im Studio bin ich nicht gerade perfektionistischer geworden. Heute ist mir eher der Vibe, die Lebendigkeit wichtig. Meine Einstellung bei Live-Auftritten hat sich geändert, als meine erste Tochter auf die Welt kam. Es war mir nicht mehr alles so wichtig: ob der Monitor hundertprozentig gut klingt oder wie das Licht ist. Die Anspannung war raus, aber im positiven Sinne, weil ich alles nicht mehr so ernst genommen habe. Ansonsten hat sich bei mir als Musiker mal mehr und mal weniger alles ständig geändert: die Musik, mein Stil, meine Technik. Das ist wichtig für Lebendigkeit und Authentizität. Auch wenn’s für manchen Geschmack manchmal ein bisschen viel Veränderung war. Was aber immer geblieben ist, ist das Bedürfnis, mit meinem Spiel, meiner Musik zu berühren.

    Text: Thorsten Schatz
    Foto: Hans Kumpf

    CDs
    Joo Kraus „JooJazz”, Künstlerhafen 0005-2KHA (physisch)/ 0005-5KHA (digital)
    Joo Kraus „Until Now …“ (Doppel-CD), Künstlerhafen 0006-2KHA (physisch)/ 0006-5KHA ­(digital)

    www.jookraus.de


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